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Rede zum 8. Mai auf der Bahrsplate

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Mitmenschen,
Ich fühle mich geehrt, dass ich heute hier an diesem besonderen Tag eine Rede halten darf. Ich möchte mich bei allen Organisatoren und insbesondere bei der Internationalen Friedensschule Bremen bedanken, die mir die Möglichkeit boten, hier eine Rede zu halten.
Zu Beginn dieser Rede möchte ich den ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zitieren, Konrad Adenauer: ,,Nehmen Sie die Menschen, wie sie sind, andere gibt's nicht.” Was Adenauer damals schon sagte, darum soll es in dieser Rede, darum soll es bei dieser Veranstaltung gehen, ja darum sollte sich das Leben drehen. Ein Mensch zu sein bedeutet auch menschlich zu handeln, da es schließlich ja nur einen Menschen gibt. Doch schauen wir in die Geschichte zurück, so werden wir enttäuscht.
Nachdem der Erste Weltkrieg weltweit Schrecken verbreitet hatte, Grenzen neu gezogen und die Welt in ihren Grundzügen umgeformt wurde, sollte nun ein Neuanfang beginnen. Schließlich war das ,,Alte und Morsche” doch Geschichte und die Demokratie sollte hochleben. Mit der Weimarer Verfassung sollte das neue Glück vollendet sein und der Kampf für das Gute einen Sinn haben. Allgemeine Bürger- und Menschenrechte wurden über die Verfassung geschützt, und die Goldenen Zwanziger ließen die Menschen spüren, was es heißt, frei zu sein.
Doch leider blieb dieses Glück nicht lange erhalten. Adolf Hitler mitsamt seiner Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei wurde Teil einer Demokratie, die sie selbst ablehnten und von Anfang an bekämpften. 1933 war es dann geschehen, dass Hitler Reichskanzler wurde und das Schicksal Deutschlands besiegelt war. Die Demokratie von Weimar hielt nur 15 Jahre lang.
Mit Adolf Hitler als Führer Deutschlands sollte schon bald Angst und Schrecken herrschen. Minderheiten, insbesondere die jüdische Bevölkerung wurde von Beginn an systematisch diskriminiert und ausgegrenzt. Die Nürnberger Gesetze sollten das getane Unrecht an den Juden rechtfertigen. Zusammen mit der Demokratie war nämlich auch der Rechtsstaat, die Gerechtigkeit - ja auch die Menschlichkeit verschwunden.
Am 1. September 1939 startete Adolf Hitler mit dem Überfall auf Polen den Zweiten Weltkrieg - den damit schrecklichsten Krieg in der Geschichte der Menschheit. Gleichzeitig war dies der Beginn des größten Menschheitsverbrechen in der Geschichte. Millionen Juden starben in ganz Europa, neben unzähligen Opfern, die der Krieg bis 1945 forderte. Am 8. Mai 1945 endete der Krieg mit den Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland.
Heute, Donnerstag, den 8. Mai 2025 feiern wir ein Friedensfest und erinnern an das Kriegsende vor 80 Jahren. Doch nun frage ich mich, ob wir aus der Geschichte gelernt haben. Sollten wir es nicht satt sein, einander zu bekämpfen? Sollten wir nicht einfach daran glauben, dass Mensch Mensch bedeutet. Haben wir nicht erkannt, dass Hass, Diktatur und Kriege nichts bringen und niemals (niemals!) wieder existieren sollten? Diese Fragen stelle ich mir wahrscheinlich nicht nur selbst.
Während mir meine Oma damals von ihrem Leben im Krieg erzählt hat, klang alles so weit weg. Kriege, wo gibt es noch Kriege dachte ich mir. Doch wenn ich mich daran zurückerinnere, weiß ich nun, wie es ist in einer Welt zu leben, in der mehr Kriege geführt werden denn je.
Mir fällt es immer noch schwer, es zu glauben - aber selbst in Europa herrscht Krieg. 80 Jahre nachdem der Zweite Weltkrieg vorüber war, gibt es wieder Krieg in Europa. Was soll ich meiner Oma sagen, wenn sie aus dem Himmel sieht, dass sich Menschen auf dem Globus bekämpfen? Was würde sie wohl denken, wenn sie sieht, dass Demokratie und Menschlichkeit hinterfragt werden, und Hass und Autokratie weltweit wieder salonfähig werden? Schließlich weiß sie doch, wie schlimm es damals war und zu was der Mensch fähig sein kann. Stets appellierte sie, dass so etwas nie wieder geschehen dürfe. Allerdings fällt es mir schwer bei diesen Worten zu sehen, dass es wieder geschieht. In Osteuropa greift Russland die Ukraine an, im Nahen Osten herrscht Krieg. Nicht zu vergessen sind weitere Kriege auf der ganzen Welt.
Wo ist die Menschlichkeit, frage ich nun? Habe ich falsch gedacht, frage ich mich. Ist Menschlichkeit etwas, das man so einfach ablegen kann? Nein, das kann nicht sein, daran möchte ich nicht glauben. Es muss doch in jedem Menschen das Gute geben...
Doch selbst in meiner Heimat, hier in Deutschland, verfolge ich mit großer Sorge einen Wandel. Einen Wandel nach rechts. Ich bin mittlerweile 18 Jahre alt und habe somit noch mein ganzes Leben vor mir. Ich möchte irgendwann studieren, arbeiten und Spaß haben - einfach das Leben genießen. Doch ich mache mir Sorgen, dass dies nicht immer so bleibt oder gar nicht möglich sein wird. So war bisher der Klimawandel meine größte Sorge, so ist es nun die Demokratie, um die ich mir Sorgen mache. Es kann doch nicht richtig sein, dass Menschen im Herzen der Demokratie - dem Bundestag - sitzen, die Menschenrechte hinterfragen, Geschichte relativieren und Parolen aus dem Dritten Reich benutzen. Das kann und darf einfach nicht richtig sein.
Aber nicht nur im Bundestag sehe ich diesen Wandel, nein auch in der Bevölkerung. So müssen wir noch nicht ein mal gen Osten schauen, so sehe ich, dass immer mehr Menschen rechts wählen. Und an der Stelle möchte ich eine Anekdote meiner Geschichtslehrerin loswerden. Denn, was heißt es eigentlich rechts zu sein? Ist das einfach nur das Gegenteil von links? Nein, das ist es nicht. Denn rechts sein bedeutet rein formal von der Ungleichheit der Menschen auszugehen. Und damit möchte ich mich nicht dem linken Spektrum unbedingt zuordnen, vielmehr dennoch vom Rechten abgrenzen. Denn rechts sein widerspricht doch dann der Menschlichkeit? Verständlich ist es dann die Hoffnung aufzugeben, wenn man sieht, dass rechts sein wieder in Mode ist. Aber nein, das dürfen wir nicht. Wir müssen zunächst verstehen, warum so viele Menschen plötzlich rechts wählen und dann darauf reagieren. Denn ich möchte nicht daran glauben, dass alle die rechts wählen unmenschlich sind. Sobald die Hoffnung verschwindet, schwinden auch die Stimmen und damit die Demokratie. Wir alle, die heute hier sind, müssen mehr denn je nicht nur für die Demokratie einstehen, sondern für sie kämpfen. Demokratie ist kein Ding, kein Objekt oder nur ein Wort . Es ist eine Lebensweise in meinen Augen, die es zu schützen gilt! Und dies mehr als jemals zuvor!
Deswegen möchte ich zum Schluss meiner Rede an Deutschland und ganz Europa appellieren. Lasset uns die Menschlichkeit schützen! Lasset uns die Demokratie schützen! Steht füreinander ein und steht auf, wenn Unrecht geschieht! Und das möchte ich besonders an meine Generation mitgeben, denn wir sind die Zukunft. Nur dann können wir sicherstellen, dass 1933 nie wieder geschehen kann!
Nie wieder ist jetzt sehr verehrte Damen und Herren!
Vielen Dank
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